Genf: Konkrete Massnahmen zur Stärkung des philanthropischen Platzes

Vergangenen Donnerstag hat der Kanton Genf verschiedene Massnahmen vorgestellt, die darauf abzielen, seinen philanthropischen Platz zu stärken und seine Attraktivität weiter zu erhöhen. Die Ankündigungen betreffen in erster Linie steuerliche Präzisierungen, den Start einer neuen Informationsplattform für Stiftungen, die Erstellung einer umfassenden Kartografie des Sektors sowie die Einrichtung einer strategischen Arbeitsgruppe für Philanthropie.

Steuerliche Präzisierungen

Der Kanton Genf hat mehrere wichtige steuerliche Präzisierungen angekündigt, die die Attraktivität seines philanthropischen Sektors stärken sollen. SwissFoundations, der in die begleitenden Dialoge eingebunden war, begrüsst, dass diese nun im aktualisierten Leitfaden zu Steuerbefreiungen für Vereine und Stiftungen der kantonalen Steuerverwaltung (Administration fiscale cantonale, AFC) festgehalten sind.

  • Vergütung von Stiftungsratsmitgliedern: Eine jährliche Obergrenze von CHF 10’000 pro Ratsmitglied und Jahr – unabhängig von Sitzungsgeldern und Spesenvergütungen – wird neu akzeptiert. Diese erweiterte Toleranz stellt eine erhebliche Lockerung der bisherigen Praxis dar, und die Nennung eines konkreten Schwellenwerts ist neu.

  • Internationale Tätigkeiten: Die AFC erinnert daran und bestätigt, dass eine gemeinnützige Tätigkeit, die teilweise oder vollständig im Ausland erfolgt, einer Steuerbefreiung einer Genfer Stiftung nicht entgegensteht. Eine entscheidende Klarstellung für einen Kanton, in dem zahlreiche Stiftungen international tätig sind.

  • Unternehmerische Förderung: Organisationen, die in diesem Bereich aktiv werden wollen, werden gebeten, ihr Projekt der AFC vorzulegen, um die Einhaltung des Grundsatzes der Uneigennützigkeit sicherzustellen. Stiftungen können Instrumente wie Darlehen oder Investitionen nutzen, sofern sie klar nachweisen, dass kein eigenes Interesse verfolgt wird.

Informationsinstrumente: besser kommunizieren und mehr Transparenz schaffen

Parallel dazu stärkt Genf seine Informationsinfrastruktur: Eine neue Plattform, die dem philanthropischen Sektor gewidmet ist, ist nun online – auf Französisch und Englisch. SwissFoundations hat über Marie Wyss, Regionenleiterin in der Romandie, einen Beitrag im Rahmen der Erfahrungsberichten aus der Branche geleistet. Zudem wird bald eine vollständige Kartografie der Stiftungslandschaft verfügbar sein.

Den Bedarf des philanthropischen Sektors besser verstehen, um ihn zu stärken

Der Kanton Genf hat seine Massnahmen verstärkt, um seine Rolle als philanthropisches Zentrum zu festigen. Mit fast 1’400 aktiven Stiftungen – damit ist er der Kanton mit der dritthöchsten Anzahl an Stiftungen in der Schweiz –, einem verwalteten Vermögen von über CHF 25 Milliarden und jährlichen Ausschüttungen von rund CHF 9 Milliarden ist dieser Sektor für den Kanton von grosser Bedeutung. Hinweis: Die CHF 9 Milliarden, die häufig mit den CHF 6 Milliarden aus dem Stiftungsreport Schweiz verglichen werden, beziehen sich auf alle Genfer Stiftungen, während die CHF 6 Milliarden ausschliesslich Förderstiftungen betreffen.

Eine vom Geneva Centre for Philanthropy (GCP) der Universität Genf im Auftrag des Kantons durchgeführte Studie, die am 25. März 2025 veröffentlicht wurde, ermöglichte eine umfassende und aktuelle Bestandsaufnahme des Sektors. Die von der Studie empfohlene strategische Arbeitsgruppe für Philanthropie, in dem die Akteure des Sektors und die Behörden vertreten sind, wurde geschaffen und hat ihre Arbeit aufgenommen. SwissFoundations ist Teil dieses Gremiums.

Weitere Informationen finden Sie in der Medienmitteilung des Kantons Genf sowie im Leitfaden zu Steuerbefreiungen für Vereine und Stiftungen.

Position von SwissFoundations

SwissFoundations begrüsst die vom Kanton Genf ergriffenen Massnahmen. Solche Initiativen stärken den gesamten Schweizer Stiftungssektor, indem sie seine Entwicklung und Professionalisierung vorantreiben. SwissFoundations wird den Austausch mit dem Kanton fortsetzen, um gemeinsam zur Dynamik der philanthropischen Landschaft beizutragen.

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