Digitalisierung im Stiftungssektor: Drei Handlungsfelder
Der Swiss Foundation Code formuliert es klar: Wirksamkeit, Transparenz und gesellschaftliche Verantwortung sind Grundsätze wirksamer Stiftungsarbeit. Die Digitalisierung kann dazu als Wirkungshebel einen Beitrag leisten – auf Stufe der einzelnen Stiftung und des gesamten Sektors. Vor diesem Hintergrund hat SwissFoundations im Rahmen des Schwerpunktthemas Digitalisierung ein Action Paper erarbeitet: Es versteht sich als Einladung und Diskussionsgrundlage, um Chancen, Risiken und konkrete Auswirkungen der Digitalisierung zu reflektieren.
Entstanden ist das Paper in Zusammenarbeit mit einem Sounding Board, bestehend aus Mitgliedern und Vertreter:innen von Spheriq. Das Paper versteht Digitalisierung als vielschichtigen Bereich, der nicht anhand eines einzelnen Faktors betrachtet werden kann. Es definiert deshalb drei Handlungsfelder für Stiftungen, welche in direktem Zusammenhang zueinanderstehen. Stiftungen sind eingeladen, diese in der internen Organisation und in ihrer Förderung reflektieren.
Die drei Handlungsfelder
Die Entscheidungen und das Handeln von Stiftungen sollen von Prinzipien geleitet werden, mit denen sie ihre Verantwortung und Rolle als gemeinnützigen Sektor wahrnehmen. Die Nutzung von digitalen Anwendungen manifestiert sich in einer funktionalen, sicheren Infrastruktur. Um Infrastruktur wirksam einsetzen zu können und verantwortungsbewussten Prinzipien zu folgen, braucht es wiederum Handlungskompetenzen.

Verantwortungsbewusste Prinzipien
WAS: «Wir gestalten Digitalisierung ethisch, nachhaltig und unabhängig mit.»
WARUM: Wie Stiftungen digitalisieren, ist genauso wichtig wie das, was sie digitalisieren. Ihr Engagement für verantwortungsbewusste Praktiken soll dazu beitragen, dass die Digitalisierung dem Gemeinwohl dient.
WIE: Stiftungen berücksichtigen ethische, soziale und ökologische Aspekte der Digitalisierung, die sich im Umgang mit Daten und Infrastruktur widerspiegeln. Zu hinterfragen sind dabei neben konsequentem Datenschutz bspw. auch Barrierefreiheit und Inklusion, algorithmische Fairness und Biases sowie digitale Rechte.
Stiftungen treffen Entscheidungen mit Blick auf digitale Resilienz und Unabhängigkeit von rein kommerziellen Anbietern. Sie setzen sich gemeinsam als Sektor für Lösungen ein.

Infrastruktur
WAS: «Wir nutzen digitale Infrastruktur gezielt und bauen die Datengrundlage im Sektor weiter aus.»
WARUM: Durch die gezielte Nutzung von digitaler Infrastruktur ermöglichen es Stiftungen dem gesamten Sektor, effektiver gesetzte Ziele und Wirkung zu erreichen.
WIE: Stiftungen mit einer Online-Präsenz (bspw. eigene Webseite, öffentlicher Jahresbericht) stärken ihre Legitimität, Transparenz und Glaubwürdigkeit.
Die Präsenz in einem Online-Verzeichnis erhöht zusätzlich die Auffindbarkeit und somit die Kollaborationsmöglichkeiten.
Stiftungen können gemeinsam sichere Tools (z. B. digitales Gesuchsmanagement) mit Datenportabilität und offenen Standards etablieren. Dadurch fördern sie Synergien, sparen Ressourcen und schaffen die Grundlage für Best Practices. Gemeinsam kann der Sektor sichere Lösungen mit wirksamer Cybersecurity vorantreiben.
Eine verbesserte Datengrundlage auf Sektorebene ermöglicht evidenzbasierte Erkenntnisse für eine strategische Philanthropie. Wer Daten zur Verfügung stellt, bündelt, verknüpft und nutzt, steigert in gewissen Bereichen die Qualität von Förderentscheidungen.

Handlungskompetenz
WAS: «Wir lernen, wie wir wirksam digitalisieren.»
WARUM: Stiftungen, die digitale Kompetenzen entwickeln, bleiben am Ball (zum Beispiel bei Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz) und sichern damit ihre Zukunftsfähigkeit.
WIE: Digitale Transformation verlangt neue Haltungen: agiles Arbeiten, kritische Reflexion und die Offenheit, beständig zu lernen. Zudem braucht es eine strategische Auseinandersetzung zu Fragen wie: Was brauche ich wieso? Wie kann ich das erreichen?
Stiftungen jeder Grösse und mit unterschiedlichen Fähigkeiten setzen sich mit derartigen Fragen auseinander und nehmen gezielt an Austauschformaten und Weiterbildungen teil.
Die Rolle von SwissFoundations
SwissFoundations schafft Bewusstsein für digitale Themen und beteiligt sich an der Debatte zu digitalen Lösungsansätzen und Herausforderungen des Sektors. Der Verband nimmt dazu eine Drehscheibenfunktion ein. Er gibt Orientierung, bündelt Wissen aus der Praxis und macht bestehende Angebote sowie relevante Akteure sichtbar. Mittels Zurverfügungstellung von Erfahrungsaustausch und Hilfe zur Selbsthilfe stärkt SwissFoundations digitale Kompetenzen seiner Mitglieder.
Laden Sie das Action Paper hier herunter.
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